Forum for Science, Industry and Business

Sponsored by:     3M 
Search our Site:

 

Mechanismen einer proangiogenetischen Polarisierung von Tumor-assoziierten Makrophagen

03.12.2007
Wie die Umerziehung von Makrophagen das Tumorwachstum fördert

In vielen Tumoren findet man neben den eigentlichen Tumorzellen auch Makrophagen, die als natürlich vorkommende Abwehrzellen das Krebswachstum bremsen sollten. Es zeigt sich jedoch, dass gerade diese Tumor-assoziierten Makrophagen (TAM) vom Krebs "umerzogen" werden, um das Tumorwachstum zu fördern, anstatt es zu hemmen.

Wie diese Umprogrammierung von Makrophagen abläuft, ist weitgehend unbekannt und wird nun durch die Unterstützung der Wilhelm Sander-Stiftung in der Arbeitsgruppe des Frankfurter Biochemikers Bernhard Brüne untersucht. Ziel ist, die Veränderung von Makrophagen zu den Tumor-assoziierten Makrophagen zu verstehen, um Möglichkeiten einer gezielten Intervention aufzuzeigen, die auch therapeutisch nutzbar sein könnten.

Zellbestandteile des Blutes, z.B. Monozyten, werden von Krebszellen angelockt, dringen ins Tumorgewebe ein und entwickeln sich dort zu Makrophagen. Bei einigen Tumoren, unter anderem beim Brustkrebs, können diese eingewanderten Zellen bis zu 50% der Tumormasse ausmachen, wobei deren Vorhandensein mit einer ungünstigen Prognose verbunden ist. Als Abwehrzellen sollten Makrophagen eigentlich dazu beitragen, Tumorzellen abzutöten bzw. deren Wachstum zu hemmen. Leider zeigt sich, dass diese Tumor-assoziierten Makrophagen Tumorwachstum, Angiogenese (Blutgefäßneubildung zur Versorgung der wachsenden Tumorzellmasse) und Metastasierung (Ansiedelung von Tumoren an anderen Orten) fördern. Leider wissen wir nur sehr ungenau, wie Tumor-assoziierte Makrophagen mit Tumorzellen kommunizieren und wie diese Wechselbeziehung als neues therapeutisches Konzept einer Krebsbekämpfung nutzbar gemacht werden kann.

Als einen wichtigen Steuerungsmechanismus vermuten wir die Beteiligung des Proteins Hypoxie-induzierbarer Faktor (HIF-1), das unter Sauerstoffmangel (Hypoxie) aktiviert wird. Unsere Arbeiten konnten jedoch zeigen, dass HIF-1 in Makrophagen auch durch Tumorzellen selbst angeregt wird, wenn in diesen der programmierte Zelltod (Apoptose) ausgelöst wird.

Im Wechselspiel zwischen Tumorzelle und Makrophagen wäre folgendes Szenario denkbar: Makrophagen wandern zum Tumor, um diesen zu bekämpfen. Dabei werden einige Tumorzellen in den programmierten Zelltod getrieben und setzen dabei lösliche Faktoren frei, unter anderem das Lipid Sphingosin-1-Phosphat. Dieser Fettsäureabkömmling wirkt auf die Makrophagen und verändert ihr Verhalten, so dass sie nun das Tumorwachstum unterstützen. So opfern sich einige Tumorzellen zum Wohle des Tumorwachstums, indem sie Makrophagen zu Tumor-assoziierten Makrophagen "erziehen".

In den geplanten Arbeiten sollen die Rolle von Hypoxie (Sauerstoffmangel) bzw. von HIF-1 sowie die Bedeutung des Tumorzelltods mit der Produktion von Sphingosin-1-Phosphat für die Umwandlung von Makrophagen zu einer Zelle, die Tumorwachstum und Tumorprogression fördert, untersucht werden. Wenn wir die Mechanismen der Funktionsänderung von Makrophagen verstehen, kann über die Blockierung dieser Signalwege eine effizientere Tumortherapie möglich werden.

Kontakt: Prof. Dr. B. Brüne, Universitätsklinikum Frankfurt
Theodor-Stern-Kai 7, Haus 25B, Raum 201, 60590 Frankfurt/Main
Tel. +49 (69) 6301 7423 Fax +49 (69) 6301 4203
e.mail: bruene@zbc.kgu.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 175.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | alfa
Further information:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

More articles from Health and Medicine:

nachricht Purdue cancer identity technology makes it easier to find a tumor's 'address'
16.11.2018 | Purdue University

nachricht Microgel powder fights infection and helps wounds heal
14.11.2018 | Michigan Technological University

All articles from Health and Medicine >>>

The most recent press releases about innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: A Leap Into Quantum Technology

Faster and secure data communication: This is the goal of a new joint project involving physicists from the University of Würzburg. The German Federal Ministry of Education and Research funds the project with 14.8 million euro.

In our digital world data security and secure communication are becoming more and more important. Quantum communication is a promising approach to achieve...

Im Focus: Research icebreaker Polarstern begins the Antarctic season

What does it look like below the ice shelf of the calved massive iceberg A68?

On Saturday, 10 November 2018, the research icebreaker Polarstern will leave its homeport of Bremerhaven, bound for Cape Town, South Africa.

Im Focus: Penn engineers develop ultrathin, ultralight 'nanocardboard'

When choosing materials to make something, trade-offs need to be made between a host of properties, such as thickness, stiffness and weight. Depending on the application in question, finding just the right balance is the difference between success and failure

Now, a team of Penn Engineers has demonstrated a new material they call "nanocardboard," an ultrathin equivalent of corrugated paper cardboard. A square...

All Focus news of the innovation-report >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industry & Economy
Event News

Optical Coherence Tomography: German-Japanese Research Alliance hosted Medical Imaging Conference

19.11.2018 | Event News

“3rd Conference on Laser Polishing – LaP 2018” Attracts International Experts and Users

09.11.2018 | Event News

On the brain’s ability to find the right direction

06.11.2018 | Event News

 
Latest News

Optical Coherence Tomography: German-Japanese Research Alliance hosted Medical Imaging Conference

19.11.2018 | Event News

How Humans and Machines Navigate Complex Situations

19.11.2018 | Science Education

Finding plastic litter from afar

19.11.2018 | Ecology, The Environment and Conservation

VideoLinks
Science & Research
Overview of more VideoLinks >>>