Forum for Science, Industry and Business

Sponsored by:     3M 
Search our Site:

 

Wie spricht der Norden? - Start des DFG-Projekts "Sprachvariation in Norddeutschland"

20.06.2008
Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler der Universitäten Bielefeld, Münster, Hamburg, Kiel, Potsdam und Frankfurt/Oder untersuchen jetzt in einem gemeinsamen Forschungsprojekt, wie in den verschiedenen Gegenden Norddeutschlands aktuell gesprochen wird.

In diesen Tagen starten umfangreiche Erhebungen in 18 Regionen des niederdeutschen Sprachraumes, vom Niederrhein bis zur deutsch-polnischen Grenze und zum nordfriesischen und schleswigischen Dialektgebiet im äußersten Norden.

Gefördert wird das groß angelegte Projekt "Sprachvariation in Norddeutschland" (SIN) seit Februar 2008 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Es handelt sich um das erste Forschungsvorhaben, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Sprachverhältnisse im gesamten niederdeutschen Raum umfassend zu dokumentieren und zu analysieren.

Die Wissenschaftler erhoffen sich von dieser Studie einerseits neue Erkenntnisse über den gegenwärtigen Stand der niederdeutschen Dialekte, die unter dem anhaltenden Einfluss des Hochdeutschen eine Reihe von Veränderungen erfahren haben. Auf der anderen Seite soll aber auch das spezifische Hochdeutsch der Norddeutschen, das von den meisten heute als Alltagssprache gebraucht wird, unter die Lupe genommen werden.

Hierbei möchten die Forscher vor allem herausfinden, welche sprachlichen Merkmale für die verschiedenen hochdeutschen Regionalsprachen jeweils typisch sind und in welchen Situationen man auf welche Merkmale zurückgreift. Eine Besonderheit des Projekts besteht darin, dass das Sprechverhalten der Norddeutschen nicht nur per Fragebogen ermittelt wird, sondern dass mit insgesamt 144 Personen Sprachaufnahmen durchgeführt werden. So wird mit allen Gewährspersonen ein längeres Interview geführt, vor allem aber wird ein etwa zweistündiges Gespräch aufgezeichnet, das bei einem Kaffeetrinken im Kreise der Familie, ohne Anwesenheit des Interviewers, entstanden ist. Auf diese Weise gelangen die Sprachwissenschaftler erstmals zu einem besonders authentischen Material, das zuverlässige Rückschlüsse auf das natürliche Sprechverhalten der Norddeutschen erlaubt.

Für das SIN-Projekt sollen in den nächsten beiden Jahren in jeweils zwei kleineren Ortschaften aus 18 norddeutschen Dialektregionen Sprachaufnahmen durchgeführt werden. Standen bei ähnlichen Projekten bisher stets männliche Sprecher im Vordergrund, sind es hier erstmals Sprecherinnen, die den Kern eines Projekts dieser Größenordnung bilden. An jedem Ort werden vier Frauen im Alter zwischen 40 und 55 Jahren interviewt und im Familienkreis aufgenommen. Bei der Analyse des erhobenen Materials sollen in den zwei darauf folgenden Jahren zum einen die sprachlichen Merkmale in den einzelnen Regionen miteinander verglichen, zum anderen soll auch das individuelle sprachliche Verhalten der Sprecherinnen untersucht. Auch die Selbstauskünfte der Sprecherinnen zu ihren sprachlichen Erfahrungen und ihrer Einstellung gegenüber dem niederdeutschen Dialekt und der hochdeutschen Alltagssprache sind dabei zu berücksichtigen, da sie wichtige Ansätze für die Interpretation der beobachtbaren Sprachphänomene liefern. Nach Abschluss des Projekts soll eine Buchpublikation ausführlich über die aktuellen Sprachverhältnisse im niederdeutschen Sprachraum informieren.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Jan Wirrer, Universität Bielefeld
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Tel.: 0521 / 106-3492
Email: jan.wirrer@uni-bielefeld.de

Torsten Schaletzke | idw
Further information:
http://www.sin-projekt.de
http://www.uni-bielefeld.de/

More articles from Social Sciences:

nachricht Illinois researchers researchers find tweeting in cities lower than expected
21.02.2018 | University of Illinois College of Engineering

nachricht Polluted air may pollute our morality
08.02.2018 | Association for Psychological Science

All articles from Social Sciences >>>

The most recent press releases about innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Hybrid optics bring color imaging using ultrathin metalenses into focus

For photographers and scientists, lenses are lifesavers. They reflect and refract light, making possible the imaging systems that drive discovery through the microscope and preserve history through cameras.

But today's glass-based lenses are bulky and resist miniaturization. Next-generation technologies, such as ultrathin cameras or tiny microscopes, require...

Im Focus: Stem cell divisions in the adult brain seen for the first time

Scientists from the University of Zurich have succeeded for the first time in tracking individual stem cells and their neuronal progeny over months within the intact adult brain. This study sheds light on how new neurons are produced throughout life.

The generation of new nerve cells was once thought to taper off at the end of embryonic development. However, recent research has shown that the adult brain...

Im Focus: Interference as a new method for cooling quantum devices

Theoretical physicists propose to use negative interference to control heat flow in quantum devices. Study published in Physical Review Letters

Quantum computer parts are sensitive and need to be cooled to very low temperatures. Their tiny size makes them particularly susceptible to a temperature...

All Focus news of the innovation-report >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industry & Economy
Event News

2nd International Conference on High Temperature Shape Memory Alloys (HTSMAs)

15.02.2018 | Event News

Aachen DC Grid Summit 2018

13.02.2018 | Event News

How Global Climate Policy Can Learn from the Energy Transition

12.02.2018 | Event News

 
Latest News

Researchers invent tiny, light-powered wires to modulate brain's electrical signals

21.02.2018 | Life Sciences

The “Holy Grail” of peptide chemistry: Making peptide active agents available orally

21.02.2018 | Life Sciences

Atomic structure of ultrasound material not what anyone expected

21.02.2018 | Materials Sciences

VideoLinks
Science & Research
Overview of more VideoLinks >>>